Dritter Lauf zur DRM (Deutsche Rallye-Meisterschaft) 2011

Sandro Wallenwein gewinnt Sekundenkrimi

Der dritte Lauf zur DRM (Deutsche Rallye-Meisterschaft) entwickelte sich zu einem wahren Sekundenkrimi. Nach 13 Wertungsprüfungen im Westrich, der Grenzregion zwischen Pfalz und Saarland, und einer Gesamtfahrzeit von 1:25:43,3 Stunden trennten Sieg und Niederlage gerade einmal vier Sekunden. Sandro Wallenwein / Marcus Poschner (Stuttgart / Laubach) waren im Subaru Impreza auf der Zielrampe am Bostalsee um diese Winzigkeit schneller als Hermann Gaßner / Karin Thannhäuser (Surheim / Ufering) im Mitsubishi Lancer. Das Podium komplettierten Robert Pritzl /Karina Hepperle (Hohenwarth / Montabaur) im Subaru Impreza, ihr Rückstand betrug 3:15,7 Minuten. In der Meisterschaft baute Wallenwein seine Führung mit dem Gesamtsieg auf nun 96 Zählern weiter aus. Auf Platz zwei der DRM-Wertung schob sich der vierfache Deutsche Rallye-Meister Hermann Gaßner (74 Punkte). Nach einem weiteren Sieg in der kleinsten Division liegt der 20-jährige Sepp Wiegand (Zwönitz) im Suzuki Ignis mit 77 Zählern auf dem dritten DRM-Platz. Die Homepage www.rallyedm.de bietet News und Hintergrundinfos zur DRM. Eindrücke von den WPs und Aktuelles aus dem Servicepark gibt es ab kommenden Donnerstag unter www.DMSB.tv.

 

„Das war der härteste Fight meiner Karriere. Es ist ein gigantisch gutes Gefühl, wenn so hart gekämpft wird. So muss eine Rallye sein“, strahlte Sandro Wallenwein auf der Zielrampe am Bostalsee. Auf den 13 Wertungsprüfungen hatte der Stuttgarter sechs Mal die schnellste Zeit vorgelegt. Ein Mal mehr war Hermann Gaßner an der Spitze der Zeitentabelle. Doch in der Endabrechnung lag Wallenwein um lediglich vier Sekunden vorn. „Teilweise bin ich über dem Limit gefahren. Ich konnte nie sicher sein, denn Hermann war immer dicht dran“, bekannte der Stuttgarter. „Wir haben wirklich alles gegeben - und es hat riesigen Spaß gemacht.“ Seinem Ziel, nach drei Vize-Titeln in Folge nun die Meisterschaft anzuvisieren, ist er durch diesen Gesamtsieg einen weiteren Schritt näher gekommen. Hermann Gaßner, der diesmal auf die Ansage von Karin Thannhäuser vertraute, hat den Kampf um den Titel noch lange nicht aufgegeben: „Diesmal hat es nicht ganz geklappt, aber es war ein spannender Kampf. Wir waren immer am Limit. Jetzt müssen wir halt bei Sandros Heimspiel im ‚Ländle’ noch mal richtig angreifen.“ Der Bayer analysierte, weshalb er keine Chance hatte, Wallenwein im Westrich zu schlagen: „Auf der ersten Prüfung und dem zweiten Durchgang der WP3 war ich einfach zu langsam unterwegs. Dort habe ich bereits 21,1 Sekunden auf Sandro verloren – die waren letztlich nicht mehr aufzuholen.“ Robert Pritzl verteidigte den letzten Podestplatz gegen den heranstürmenden Luxemburger Patrick Gengler in einem weiteren Subaru. „Die beiden an der Spitze fahren in einer anderen Welt. Von Dirk Riebensahm konnte ich mich leicht absetzen, aber Patrick machte bis zum Schluss richtig Druck“, erklärte Pritzl. Mit den Punkten für den Divisionssieg und acht Zusatzzählern für ihre Position in der Gesamtwertung schoben sich Carsten Mohe / Katrin Becker (Crottendorf / Schlitz) im Renault Megane RS auf den sechsten Meisterschaftsplatz. „Bei dem hohen Schotteranteil auf der ersten und dritten Wertungsprüfung bin ich mit Gesamtrang sechs sehr zufrieden“, freute sich Mohe.

 

Spannende Kämpfe auch in den weiteren Divisionen

 

In Division 4 gab es vom Start weg einen heißen Schlagabtausch. Nicht Lokalmatador und Seriensieger Lars Mysliwietz gab das Tempo vor, sondern der 25-jährige Raffael Sulzinger im Ford Fiesta R2. „Die Prüfungen mit dem hohen Schotteranteil lagen unserem Fiesta gut“, erklärte er seine Fahrt. Am frühen Samstag sorgte dann ein Fehler im Aufschrieb für einen fünfminütigen Zwangsaufenthalt in einem Graben. Schon auf der ersten Prüfung der zweiten Etappe hatte Lars Mysliwietz die Divisionsführung wieder übernommen. Im Citroën C2R2 lag er vor WP zehn zwei Minuten vor Teamkollege Patrick Pusch als nächstem Verfolger und auf Gesamtrang 9. „Man sollte die Bedienelemente auch richtig bedienen“, erklärte Mysliwietz seinen Ausflug in die Botanik. „Ich habe das Bremspedal nicht richtig getroffen, das Nachsetzen kostete den Bruchteil einer Sekunde, doch da war es für die nächste Kurve schon zu spät.“ Pusch erbte den Divisionssieg. „Heute war Lars eindeutig schneller. Schade, dass er ausgefallen ist.“ Und für Sulzinger war Rang zwei ein versöhnliches Ende seines beeindruckenden Auftritts. Genauso spannend entwickelte sich der Kampf um den Sieg in der kleinsten DRM-Divison. Nach der Freitagsetappe lag der 20-jährige Sepp Wiegand nur 0,1 Sekunden vor dem Lokalmatadoren und Suzuki–Kollegen Marijan Griebel. Doch schon auf der ersten Samstags-Prüfung fand das Duell ein jähes Ende. Beim Heimspiel des 21-jährigen Griebel beendete ein kapitaler Motorschaden den Einsatz. Wiegand, diesmal mit Jenny Gäbler unterwegs, fuhr bis auf den 14. Gesamtrang nach vorne. „Ich hätte lieber mit Marijan hier um den Sieg gekämpft“, bekannte er jedoch. Durch die Zusatzpunkte für die Gesamtwertung liegt der Youngster aus Sachsen nun auf Platz drei der Meisterschafts-Tabelle. Nachdem er am vergangenen Wochenende die Führung im ADAC Rallye Junior Cup und dem ADAC Rallye Masters übernommen hatte, folgt damit ein weiterer bemerkenswerter Erfolg des Youngsters. „So kann es ruhig weitergehen“, kommentierte er das Ergebnis im Ziel.


Die Diesel-Division wurde klare Beute des Bayern Alois Scheidhammer, obwohl ihn ein defekter Turboschlauch am Opel Astra GTC einbremste. Marcel Mahr-Graulich konnte im Mitsubishi Lancer seine Führung in der Division 8 ebenso ausbauen wie Michael Meckbach (Opel Corsa) in der Division 9. Mit dem achten Gesamtrang sammelte Georg Berlandy erste DRM-Punkte mit seinem BMW M3 in der Division 7.

Text / Bild: DRM Mediaservice

DRM, 3. Lauf bei der ADAC Pfalz-Westrich-Rallye (6. – 7. Mai 2011):

DRM auf den Spuren der Rallye-WM

Am zweiten Mai-Wochenende wandelt die DRM (Deutsche Rallye-Meisterschaft) auf den Pfaden der Welt-

meisterschaft: Beim dritten Lauf im Rahmen der ADAC Pfalz-Westrich-Rallye (6. – 7. Mai) stehen nicht nur Wertungsprüfungen auf dem Programm, die auch bei der ADAC Rallye Deutschland zu absolvieren sind. Auch der idyllische Serviceplatz am Ufer des Bostalsees wurde für die deutsche Runde der Rallye-Königsklasse in den vergangenen Jahren genutzt. Auf den 13 Prüfungen im Westrich, der Grenzregion zwischen Pfalz und Saarland, steht besonders ein Team im Visier: Sandro Wallenwein und Marcus Poschner (Stuttgart / Lautrach) wollen im Subaru Impreza den kleinen Vorsprung verteidigen, den sie mit einer konstanten Leistung bei den ersten beiden DRM-Läufen herausfahren konnten.

 

„Wenn wir die Meisterschaft spannend halten wollen, sollten wir möglichst vor Sandro ins Ziel kommen“, ist die klare Ansage von Hermann Gaßner. Der vierfache deutsche Rallye-Meister konnte im Mitsubishi Lancer in diesem Jahr zwar schon einige beachtliche WP-Zeiten setzen – in der Summe reichte es aber noch nicht, sich an Wallenwein vorbeizuschieben. Und der Subaru-Pilot geht sein Ziel, nach drei Vize-Titeln in Folge nun endlich den Meisterpokal nach Stuttgart zu holen, mit schwäbischer Akribie an: „Die Pfalz-Westrich-Rallye wird auch für uns nicht einfach“, erklärt Sandro Wallenwein. „Für uns ist alles neu. Aber normalerweise liegt uns das, denn auf neuen Strecken waren wir bislang immer schnell unterwegs.“ Dabei ist die Aufgabe durchaus respekteinflößend: „Rallyes in dieser Region waren bisher immer tückisch“, erklärt Wallenwein. „In diesem Fall zusätzlich auch durch den Schotteranteil.“ Keinen Druck dagegen verspürt der Tabellenleader durch die Tatsache, seit dem Saisonstart das Feld als Punkte-Primus anzuführen. „Wir bereiten uns und unser Auto für jede Veranstaltung gut vor und denken dabei von Rallye zu Rallye“, sagt der 36-Jährige. „Aber natürlich ist die Stimmung im gesamten Team durch die Tabellenführung extrem gut.“ Im Blick hat Wallenwein naturgemäß immer die Konkurrenz. Neben den von Gaßner angeführten Verfolgern aus der DRM kämpfen im Saarland auch Teilnehmer aus der Luxemburger Meisterschaft und der Euro Rallye Trophee mit um den Sieg – eine Ausgangslage, die zusätzliche Spannung verspricht.

 

Lokalmatador Mysliwietz mischt an der Tabellenspitze mit
Zwischen Wallenwein und Gaßner mit ihren großvolumigen Rallyeboliden haben sich in der Meisterschaftstabelle Lars Mysliwietz / Oliver Schumacher (Nalbach / Fluterschen) geschoben. Der Saarländer und sein Westerwälder Co-Pilot pilotieren mit dem Citroën C2R2max eines der kleineren Fahrzeuge in der DRM. Durch zwei klare Divisionssiege und zusätzliche Punkte, die für Top-12-Platzierungen in der Gesamtwertung vergeben werden, schoben sie sich in der Meisterschaft ganz nach vorne. Für Mysliwietz ist die Pfalz-Westrich-Rallye fast ein Heimspiel: „Auch wenn das eigentliche Heimspiel mit der Saarland Rallye noch kommen wird, waren wir im Westrich doch auf fast allen Prüfungen schon mehrmals bei Läufen zur Saarländischen Rallyemeisterschaft unterwegs.“ Die Verteidigung der zweiten Meisterschaftsposition hängt aber maßgeblich von einem weiteren Sieg in der Division ab. „Das ist aber in diesem Jahr besonders schwer“, gesteht Mysliwietz. „Patrick Pusch wird sich nun an sein neues Auto gewöhnt haben und Jörg Broschart fährt jetzt seine erste Rallye auf bekannten Prüfungen. Wir müssen also noch mehr Gas geben.“ Zumal neben den beiden in der umkämpften Division 4 mit Benjamin Hübner, Benjamin Scheller und Rafael Sulzinger noch weitere erfolgshungrige Youngster unterwegs sind, die dem 42-jährigen Routinier das Siegen schwer machen wollen. Nach der Nullrunde zum Auftakt und den ersten Zählern in Hessen hofft der Sachse Carsten Mohe im Renault Mégane RS nun endlich auf eine volle Punkteausbeute im pfälzischsaarländischen Grenzraum.

 

Showdown bei den „Rallye-Zwergen“
Die ADAC Pfalz-Westrich-Rallye könnte aber auch die große Show zweier weiterer Youngster werden. Der 20-jährige Sachse Sepp Wiegand und der 21-jährige Pfälzer Marijan Griebel sind mit ihren Suzuki Swift in der kleinsten DRMDivision unterwegs. Bislang teilten die Youngster die Divisionssiege gleichmäßig unter sich auf. Während Griebel beim norddeutschen DRM-Auftakt erfolgreich war, siegte Wiegand in Hessen. Punktgleich mit 35 Zählern liegen sie nun auf dem fünften Platz der DRM-Wertung. Ungewöhnliche Gemeinsamkeit der beiden: Ihre ersten Motorsport-Erfolge feierten sie jeweils auf zwei Rädern. Griebel wurde 2008 Vize-Weltmeister im Junioren-Trial-Sport und ist zweimaliger Teilnehmer am Nationen-Grand-Prix. Sepp Wiegand kommt aus dem Enduro-Sport, wurde 2008 Cross-Country-Europameister und war 2009 im DMSB-Junior-Team bei den Sixdays in Portugal. Für Griebel bedeutet die dritte DRM-Runde ein Heimspiel, die Prüfungen führen fast durch seinen Vorgarten. Er schwärmt vom Duell mit Wiegand: „Gegen einen so starken Gegner wie Sepp bin ich noch nie gefahren. Abseits der Piste verstehen wir uns richtig gut – aber im Auto will natürlich jeder gewinnen.“ Wiegand reist mit einer gehörigen Zusatzportion Motivation an den Bostalsee. Am vergangenen Wochenende verteidigte der 20-Jährige nicht nur seine Führung im ADAC Rallye Junior Cup, er übernahm als bislang jüngster Starter auch die Führung im ADAC Rallye Masters. „Ich denke es wird sehr schwierig, Marijan bei seiner Heimrallye zu schlagen, denn für mich ist das alles Neuland. Dennoch bin ich optimistisch. Ich werde alles geben, um am Ende ganz oben zu stehen und bin auf einen packenden Kampf sehr gespannt“, freut sich der Sachse auf die neue Herausforderung.